Thursday, December 09, 2004

Seifenblase Söder!

06.12.2004

Inland

Kiffer des Tages

CSU-Generalsekretär Markus Söder kennt nur eine Droge

Das kommt wieder gut an bei stiernackigen Stammtischbrüdern, protestantischen Betschwestern und Frauen von katholischen Paramenten-Stickgruppen: Haschischrauchen muß verboten werden! CSU-Generalsekretär Markus Söder (wer sonst?) fordert in Bild am SonntagI (wo sonst?): »Sowohl beim Eigenkonsum als auch beim Handel mit Drogen muß wieder der Grundsatz ›null Toleranz‹ gelten.«

Schon das Wort »Haschisch« klingt exotisch und bedrohlich, ebenso »Marihuana«. Sollte man sich nicht besser auf »Hanfblüte« einigen, die viele Bauern früher als anregende Zutat in ihre Tabakspfeifen bröselten? Vielleicht braucht Söder auch eine Auffrischung im Fach Heimatkunde: Aus Bayern ist für derartiges Pfeifenkraut der Begriff »starker Tobak« überliefert. Daß bislang kein Todesfall auf Haschisch oder Marihuana zurückgeführt werden konnte, ficht Söder nicht an. Es läßt ihn auch kalt, daß jedes Jahr allein in Deutschland 40 000 Menschen durch die Volksdroge Nr. 1, den Alkohol, sterben. Ganz im Gegenteil: Gerade CSU-Politiker nutzen die größte Drogenparty der Welt, das Münchner Oktoberfest, nicht nur zu krachledernen Auftritten, sondern auch zum exzessiven Eigenkonsum. Welch zivilisatorischer Fortschritt wäre es, wenn auf dem Oktoberfest gekifft statt gesoffen würde! Es gäbe keine Schlägereien mehr, keine Vergewaltigungen – im Gegensatz zum Alkohol stimmen Hanfprodukte nämlich eher friedlich. Richtig ist natürlich, daß es dann in den Kassen der Brauereien und Bierzeltbetreiber weniger klingeln würde – vielleicht will Söder ja auch nur potentielle Konkurrenz wegbeißen. Wer Hanfblüten verkauft, landet im Knast. Wer viel Geld mit Bier oder Schnaps verdient und damit tausendfach Gesundheitsschäden, Unfälle oder die Zerrüttung von Familien auslöst, bekommt das Bundesverdienstkreuz.

Geht es noch perverser?Das war mal wieder eine populistische Seifenblase, Herr Söder!
Hört sich am Stammtisch gut an, ist aber weder wissenschaftlich noch gesundheitspolitisch zu untermauern. Außerdem interessiert dieses markige Geschwätz kaum jemanden – wer Hanfprodukte rauchen will, wird das auch weiterhin tun. Auch in Bayern. (pw)

2 Comments:

Anonymous Anonymous said...

Ich finde die Sammlung von Kommentaren gut, gerade als Lokaljournalisten. Weiter so!

8:36 AM  
Anonymous Anonymous said...

www.myblog.de/showarchiv.php?what=1004&blog=jLog

8:37 AM  

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